Parkbühne
Parkbühne erwacht zu neuem Leben, Teil 2
Lust auf Sommer
Leipzigs schönste innerstädtische Bühne liegt im Clara-Park - viele
Leipziger wissen gar nicht mehr, welcher volle Name dahinter steht.
Bis 1919 hieß das Areal König-Albert-Park und wurde nach der
Abdankung des Königs kurzerhand zum Albertpark. Die ganze grüne
Lunge, zu der noch der Johannapark, der Palmengarten und der
Scheibenholzpark gehörten, wurde in den 1950ern vereint und nach der
Frauenrechtlerin, Sozialdemokratin und Kommunistin Clara Zetkin
benannt. In dieser Zeit entstand auch Leipzigs kleines Amphitheater.
Im vorigen Jahr wurde das Ganze wieder rückgängig gemacht. Nur der
Albertpark heißt noch immer Clara-Park. Frau Zetkins Denkmal steht
aber nunmehr im Johannapark, dessen Name wieder eine eigene, sehr
tragische Geschichte hat …
Internet:
www.parkbuehne-leipzig.de
Tim Bendzko
2. Juni
Tim Bendzko
Es herrscht gerade kein Mangel an netten und klugen Jungs, die prima
Kumpels sind und erträumte Boyfriends. Mit denen man haltlos um die
Häuser ziehen möchte und die einem trotzdem ein bissel die Welt
erklären können. Clueso aus Erfurt zum Beispiel, noch mehr Philipp
Poisel und nun auch Tim Bendzko. Letzterer ist geradezu idealtypisch
für diese Art Charmeoffensive: Er war erfolgreicher Fußballer mit
realen Profiambitionen, bevor er sich für die Gitarre, seine Lieder
und dafür entschied, jetzt eben mal rasch die Welt zu retten. Die
hat's bekanntlich bitter nötig. Verrückterweise glaubt man beim
Hören tatsächlich, dass Typen wie er das schaffen könnten. Es ist
nicht mal eine unangenehme Vorstellung.
Lynyrd Skynyrd
6. Juni
Lynyrd Skynyrd
Als Neil Young, der Mann aus dem Norden, in Songs wie "Southern Man" die
ländlich geprägte Sturheit der Südstaatler an den Pranger stellte
und ihre Vergangenheit als Sklavenhalter geißelte, zogen die ihre
staubigen Cowboystiefel an, sattelten die schweren
Harley-Davidson-Maschinen und ritten mit "Sweet Home Alabama" eine
schneidige Gegenattacke, die die Ehre des gedemütigten Südens wieder
herstellte - mit einem der (bis heute!) schönsten Liebeslieder an
die Heimat. Das alles war schon in den tiefsten 70ern, ihr
knochentrockener Southern Rock mit den starken Blues-Roots und den
reichen Anleihen bei uramerikanischen Country- und Western-Sounds
klingt nach wie vor faszinierend.
Boy
22. Juni
Boy
Hey, das ist ja mal wieder was wirklich Frisches in der Pop-Szene. Nicht
bloß, dass die beiden hellwachen Mädels namens Valeska Steiner und
Sonja Glass sich sehr witzig aber (google-ungünstig) Boy nennen.
Nein, sie haben auch innerhalb weniger Monate nach Erscheinen ihres
Debüts "Mutual Friends" im September des vorigen Jahres erst die
Hauptstadt und dann das ganze Land erobert. Musikalisch haben sie
das Rad nicht neu erfunden, das Album kommt locker und tough,
unbeschwert und lebensfroh rüber, es rockt ordentlich, und zuweilen
seufzt es ganz tief. Vor allem aber werden Stücke wie "This Is The
Beginning" oder das kecke "Little Numbers" schon jetzt in vollen
Häuser begeistert mitgesungen!
Godsmack
2. Juli
Godsmack
Der Bandname bedeutet etwa "Gottes Schmatzer". Ihre Karriere verdanken
sie indes eher dem Wohlwollen eines Sterblichen, der jedoch für
viele ganz in der Nähe von Gott wohnt: Ozzy Osbourne lud die junge
Metal-Band, die sich gerade ihre ersten Meriten erspielt und ein
hoffnungsvolles Debüt-album am Start hatte, auf seine "Ozzfest"-Tour.
Man freundete sich an, ihren Europa-Einstand gaben die Gottgeküssten
dann als Support von Black Sabbath. Danach schien eigentlich ganz
einfach, Verkäufe und Kontostände kletterten in die Millionen. Ihr
satter Hard Rock mit seinen vielen Wurzeln ist Garant dafür, dass
ihre Popularität nicht abreißt und sie nicht unter der allgemeinen
Rezession des Nu Metal leiden müssen.
Eric Burdon
18. Juli
Eric Burdon
Die Animals waren eine der ganz großen Nummern der Rory Sixties, wurden
damals mit den Beatles, den Stones oder The Who in einem Atemzuge
genannt und landeten Hit auf Hit. Bis heute sind Nummern wie "House
Of The Rising Sun", "Don't Let Me Be Misunderstood", "We Gotta Get
Out Of This Place" oder "C.C. Rider" absolute Evergreens, wobei die
meisten ihrer Hits Coverversionen weit älterer Lieder waren. So war
das damals üblich. Eric Burdon selbst beendete die
Erfolgsgeschichte, als er die Band zu Beginn der 70er verließ, um
vielerlei Soloprojekten nachzugehen. An die großen Erfolge konnte er
dabei nicht mehr anknüpfen. Die reichen aber locker aus für einen
Platz im Pantheon des Rock 'n Roll.
Toto
14. August
Toto
Rock für Erwachsene. Solide, bodenständig, kraftvoll, ohne
Teenager-Kraftmeierei oder aufgeblasene Gesten. Die Band aus Los
Angeles um die drei Porcaro-Brüder gibt es seit 1977. Bis heute
haben sie von ihrem Dutzend Studioalben (es kommen noch Best-of-Compilations
und Live-Scheiben dazu) ungefähr 40 Millionen Einheiten verkauft.
Das wohl mit einigem Abstand wichtigste Album, ihr Eintrittsticket
in die Musicians Hall Of Fame, in die sie 2009 aufgenommen wurden,
ist dabei "Toto IV" aus dem Jahr 1982. Es enthält die Megahits
"Rosanna" und "Africa", die allein schon für eine mittlere
Unsterblichkeit ausreichen. Dazu noch der Rocker "Hold The Line" und
das Glück ist perfekt!
Culcha Cundela
24. August
Culcha Cundela
Meeting, Party, rauschende Party, total ausgeflippte Party - Culcha Candela.
Seit 2001 ist die Berliner Band tönender Garant dafür, dass
Multikulti auch jede Menge Spaß machen kann. Sie rappen und singen
ihre spaßigen und kritischen Reime auf englisch, deutsch, spanisch
und patois (ein kreolischer Dialekt aus Jamaika) und wurden bekannt
mit einem heftigen Mix aus Reggae, Salsa, Dancehall und HipHop. Das
ging sofort in Beine und Ohren und das erste Album "Union Verdadera"
folgerichtig in die Charts. Die anderen folgten. Auf ihrem jüngsten
Album "Flätrate" haben sie ihre Roots ein wenig in Richtung House
und Electro erweitert. Der Spaß an der Sache sollte aber nicht
darunter leiden.
Heinz Rudolf Kunze
8. September
Heinz Rudolf Kunze
Einer der vielseitigsten Pop-Artisten Deutschlands. Viel zu schlau für die
Neue Deutsche Welle, der er wegen seiner ersten Hits wie "Dein ist
mein ganzes Herz" oder "Marlowe, finden Sie Mabel" in den 80ern
schnell zugerechnet wurde (tatsächlich verdankt er seinen Erfolg
sicher auch dem Umstand, dass dank der NDW die Leute plötzlich
deutsche Texte hören wollten). Er hat etliche Bücher mit seinen
amüsanten bis brillanten Bonmots veröffentlicht und eine Reihe
Musicals ins Deutsche übersetzt, sich darüber hinaus in alle
möglichen Debatten lautstark eingemischt. Erinnerlich ist sicher
noch seine vergebliche Forderung nach einer Quotierung der deutschen
Sprache in der Musikauswahl der Popwellen.
Reinhard Lakomy
9. September
Reinhard Lakomy
Einige mögen sich vielleicht noch daran erinnern, was es für Unverständnis
auslöste, als seiner der beliebtesten Popsänger der DDR, vergöttert
fast, gerade weil sein raues Organ so gar nicht in die damals noch
allgemeine Vorstellung passte, wie ein Sänger zu klingen habe,
plötzlich seinen Entschluss verkündete, in Zukunft vor allem Lieder
für Kinder zu machen. In kürzester Zeit wuchs ein Wald von
Traumzauberbäumen in allen ostdeutschen Kinderzimmern. Und
tatsächlich: Diese Bäume bleiben viel länger grün als die
kurzlebigen Lorbeerkränze, die Popstars gewunden werden. Kaum
anzunehmen, dass eine derart kühne Vorausschau Lakomys Entschluss in
den Endsiebzigern ausgelöst hat, weise war er jedenfalls.
Wort: Frodo Warzyniak / Bild: Martin Huch, Katja Kuhl,
Michael Loccisano (Getty Images), Benedikt Schnermann, Paris
Visone, P.D.